Ein Erdbeben !

Vorzeitig bekannt gewordene Eckdaten für den in Berlin geplanten Mietendeckel sind heftig kritisiert worden – teilweise kann von wütenden Reaktionen gesprochen werden.
Selbst aus der Koalition (SPD) erhält Senatorin Katrin Lompscher Rücktrittsforderungen.

Was hat die Senatorin falsch gemacht?

Sie hat in Ihrem Konzeptpapier für ein Berliner Mietengesetz (Mietendeckel) Obergrenzen für Mieten festgesetzt.
Sind deshalb die negativen Reaktionen aus vielen gesellschaftlichen Bereichen gerechtfertigt?

Vergleicht man die Vorschläge der Senatorin mit den Mittelwerten des Mietenspiegels 2019, ergibt sich dass folgende Bild (betrachtet wurde nur die Werte für Wohnungen mit Sammelheizung und Bad):

Es überwiegt die Farbe rot, mit Mietsenkungen bis zu 47%!
Allerdings – und darüber konnte ich bei den Reaktionen noch nichts lesen – gibt es dreimal so viele Mietsteigerungen als Mietsenkungen über 30%. Letztere könnte also als ‚Ausreißer‘ betrachtet werden.
Über die Hälfte der Werte bewegt sich in Bereich -10% bis +10% Mietsteigerung bzw. -reduktion, was in der Praxis kaum Veränderung bedeutet.

Warum also diese heftigen Reaktionen?
Der Mittelwert aller 112 Mietwerte liegt bei einer moderaten Minderung von 10%.
Etwas nüchterner sieht das Vonovia, der zweitgrößte private Immobilienkonzern in Berlin. Die Vonovia rechnet ebenfalls mit 10% Einbußen bei ihren Berliner Wohnungsbestand, was konzernweit gerade einmal minus 1% ausmachen würde.

Versuchen wir die ‚Untat‘ der Stadtentwicklungssenatorin einzuordnen.
Was bedeutet

Mietendeckel

und was

Weiter so wie bisher?

Ich habe innerhalb einer halben Minute ein zwar extremes, aber am Berliner Immobilienmarkt typisches Angebot bei einer Immobilien-Plattform gefunden:

Eine 1-Zi-Wohnung in der Charlottenburger Kaiser-Friedrich-Str. mit 33 qm im Seitenflügel. Komplett saniert mit neuer Einbauküche.
Nach den Mietenspiel 2019 wären hier, wegen der etwas besseren Ausstattung, rund 8 € pro qm möglich.

Das heißt, durch den Mietendeckel kann der Eigentümer rund ein Drittel (33%) weniger Miete in Zukunft verlangen.

Was bedeutet ‚Weiter so‘?

In dem konketen Fall verlangt der Eigentümer eine Nettokaltmiete von 990 €, also 30 € pro Quadratmeter.

Das sind 275% mehr als nach dem Mietenspiegel 2019 verlangt werden dürfte.

Ich frage mich nun, was ist weiter von der Realität entfernt:

33% weniger Miete durch Mietendeckel ?

oder

275% zu viel verlangte Miete bei ‚Weiter so‘?

Wenn die Immobilienwirtschaft sich nun über die Mietbegrenzung beschwert, dann kann nur festgestellt werde: sie hat es wohl zu weit getrieben!

Aber, noch ist es erst ein Entwurf …

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